Judo

Bei Jūdō (dt. sanfter Weg) handelt es sich um eine japanische Kampfsportart, die nach folgenden Grundprinzipien funktioniert: Maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand und Siegen durch Nachgeben.

Maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand und Siegen durch Nachgeben. Jūdō ist nicht nur ein Weg zur Leibesertüchtigung, sondern auch eine Philosophie zur Persönlich-keitsentwicklung. Die zwei wesentlichen philosophischen Grundprinzipien des Jūdō sind: •jita-kyoei: Das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fort-schritt und Wohlergehen. •sei-ryoku-zenyo: Der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist. Diese Prinzipien soll der Jūdōka ständig in sich tragen und auf der Jūdōmatte (Tatami) bewußt in jeder Bewegung zum Ausdruck bringen. Aber nicht nur dort, sondern auch im täglichen Leben. Ein Jūdō-Meister hört niemals auf, Jūdō zu praktizieren. Die drei Säulen des Kokodan-Jūdō sind: Rata, Randore und Shiai. Traditionell wird beim Jūdō eine knöchellange weiße Baumwollhose (Zubon) getragen. Darüber befindet sich eine halblange weiße Baumwolljacke (Uwagi). Zusammengehalten wird diese durch einen farbigen Gürtel (Obi). Die Gürtelfarbe gibt Auskunft über den Ausbildungsstand eines Jūdōka. So gibt es Schüler- und Meistergrade. Schülergrade gehen bis zum braunen Gürtel, Meistergrade beginnen mit dem schwarzen Gürtel. Jeder Schüler beginnt mit einem weißen Gürtel. Ab dem 3. Kyu (grüner Gürtel) muss eine Kata vorgeführt werden. Dies ist eine genau vorgeschriebene Abfolge von Techniken und Bewegungsformen. Das Ausführen einer Kata führt zu einem noch besseren Beherrschen der jeweiligen Techniken, da auf eine genaue Ausführung geachtet wird. Es existieren Stand- und Boden-Kata. Ab dem 5. Dan gibt es keine Prüfungen mehr.

Der Schwerpunkt des modernen Jūdō liegt in der sportlichen Ertüchtigung und nicht so sehr in der Selbstverteidigung. Jigoro Kano meinte, daß Jūdō vor allem dazu dienen soll, durch Training von Angriffs- und Verteidigungsformen den Körper und Geist zu stärken. Jūdō-Techniken werden grob unterteilt in: •Atemi Waza (Schlagtechniken): Schlagtechniken gibt es heute nur noch in den Katas. Es gibt allerdings einzelne Vereine, die sie noch im Rahmen der Selbstverteidigung lehren. Diese Techniken sind noch aus dem japanischen Jiu-Jitsu übernommen worden. Bei den Schlagtechniken wird differenziert in Arm- und Beintechniken •Nage Waza (Wurftechniken): Diese werden angewandt, um den Gegner vom Stand in die Bodenlage zu bringen. •Ne Waza (Bodentechniken): Unterschieden wird hier in Festhaltetechniken (Osae-komi-waza), Hebeltechniken (Kansetu-waza) und Würgetechniken (Shime-waza). •Ukemi Waza (Falltechnik): Alle Jūdōka müssen Falltechniken (auch als Judorolle bekannt) üben, um sich bei den Würfen nicht zu verletzen. Jūdō ist eine reine Zweikampfsportart. Der Gegner soll durch Anwenden einer Technik mit Schnelligkeit und Kraft kontrolliert und auf den Rücken geworfen werden. Gelingt dies, so ist der Kampf gewonnen (ähnlich wie ein K.O. beim Boxen). Dies gilt auch für einen Gegner, der für 25 Sekunden auf dem Rücken liegend am Boden festgehalten werden kann. Je besser der Gegner auf den Rücken geworfen wird, desto bessere Wertungen gibt es für den Gewinner. Ein Kampf dauert in der Regel im Erwachsenenbereich fünf Minuten, bei Jugendlichen vier Minuten und bei Kindern zwei Minuten. Bei dem Kampfrichterentscheid zeigen alle drei Kampfrichter mit Fähnchen an, welcher Kämpfer ihrer Meinung nach besser gekämpft hat. Die höchste Wertung, die vergeben werden kann, ist ein Ippon. Dadurch wird der Kampf sofort beendet. Aber auch Verwarnungen (Shido) und Disqualifikationen (Hansokumake) gibt es. So wird beispielsweise ein Kämpfer bestraft, wenn er mehr als 25 Sekunden (liegt im Ermessen des Kampfrichters) lang keinen Angriff versucht hat. Selbst das unaufgeforderte Sprechen gilt als grob unsportlich. Es wird auf mittelharten Matten (Tatami) gekämpft, die den Kontrahenten einen sicheren und stabilen Stand ermöglichen und das Fallen entsprechend abmildern. Die Wettkampffläche wird in eine Kampf- und in eine Sicherheitsfläche unterteilt. Gekämpft wird auf der Kampffläche. Im Erwachsenenbereich sollte diese eine Größe von 10x10 Metern haben. Die Sicherheitsfläche soll Verletzungen vermeiden, falls die Kämpfer unbeabsichtigt außerhalb der Kampffläche geraten. Diese Fläche sollte eine Größe von 2 bis 3 Metern vorweisen.

Die Wurzeln des Jūdō reichen bis in die Nara-Zeit (710-784) zurück. So gibt es aus dieser Zeit Beschreibungen von Ringkämpfen, die mythologischen Ursprungs sind. Seit dem Jahr 717 fanden alljährlich am Kaiserhof Preisringen (genannt Sechie-Zumo) statt. Dort nahmen Ringer aus allen Provinzen teil. Die Bushi griffen das Sechie-Zumo auf und entwickelten daraus das Yoroikumiuchi (dt.: Ringen in voller Rüstung). Mit dem Aufstieg der Bushi-Kriegerkaste gegen Ende des 12. Jahrhunderts, erlebten die japanischen Kampfkünste einen starken Aufschwung. Selbst das kulturelle Geschehen wurde immer mehr vom Geist der Bushi bestimmt. So entwickelten sich in dieser Zeit die Ursprünge des Bushido. Unterschiedlichste waffenlose Nahkampfsysteme entwickelten sich in der Ashikaga-Epoche, die in der Zeit von 1136-1568 anzusiedeln ist. So wurde beispielsweise Kogusoku (dt. kleine Rüstung) entwickelt, da in dieser Zeit leichtere Rüstungen entwickelt worden waren. Weitere Nahkampfsysteme waren Hobaku (dt. Ergreifen), Koshi-no-Mawari (dt. Hüfteindrehen), Tai-Jutsu (dt. Körperkunst), Torinawajutsu (dt. Kunst des Ergreifens und Verbindens) oder Torite (dt. Ergreifen der Hände). Als die Portugiesen Mitte des 16. Jahrhunderts Schusswaffen in Japan einführten, verloren auf dem Schlachtfeld die bisherigen Kriegskünste (z.B. mit dem Schwert) an Bedeutung. Trotzdem wurden ihre Traditionen in der Edo-Zeit fortgeführt und im Sinne des Bunbu (militärische Pflicht und literarische Bildung) zur Pflicht gemacht. Am Ende der Tokugawa-Zeit und Japans Öffnung begannen starke Veränderungen der japanischen Gesellschaft. Durch die sogenannte Meiji-Reform gab es viele staatliche, kulturelle und wirtschaftliche Reformen. Alles Japanische wurde zurück-gedrängt, alles Westliche hatte Vorrang. Doch bereits in den 1880er Jahren gab es eine Rückbe-sinnung auf die geistlichen und sittlichen Werte Japans. Als Begründer des Jūdō ist Jigoro Kano anzusehen. Dieser wuchs im diesem Japan der extremen Veränderungen auf. Jigoro Kano lernte an verschiedenen Schulen Jiu-Jitsu. Bereits mit 22 Jahren (1882) gründete er seine erste Schule, die er „Kodokan“(dt. Ort zum Studium des Weges) nannte. Dort lehrte er seine Kunst, die er Jūdō nannte. Beim Jūdō entfernte er die alten Jiu-Jitsu- Stile von allen gefährlichen Elementen, wie Schläge, Stöße, Tritte und viele Hebeltechniken. Einige Techniken wurden allerdings in die Kata integriert. Die noch Verbliebenen ermöglichten einen sportlichen Wettkampf, ohne dass es größere Verletzungen gibt. Geblieben sind hauptsächlich Armhebel, Würfe-, Halte- und Würgetechniken. So sollte aus einer reinen Selbstverteidigung eine ganzheitliche Lehre für Körper und Geist geschaffen werden. Jūdō verbreitete sich allerdings erst, als 1886 ein Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Ryoi-Shintō ryū-Schule gewonnen wurde.